Wie jedes Jahr am 9. November erinnern wir an die Reichspogromnacht von 1938 – an die Nacht, in der in ganz Deutschland Synagogen brannten, jüdische Geschäfte zerstört, Menschen verfolgt, verschleppt und ermordet wurden.
Gemeinsam mit Engagierten aus dem Kiez war ich heute in meinem Wahlkreis unterwegs – auf einem Rundgang zu Orten jüdischen Lebens im Gesundbrunnen. Wir haben Stolpersteine geputzt, an die Namen und Schicksale der Ermordeten erinnert und über das gesprochen, was geblieben ist – und was verloren ging.
Vom Jüdischen Krankenhaus über die Exerzierstraße, wo einst ein jüdisches Altenheim stand, bis zur Schul-, Bad- und Uferstraße: Jeder Ort erzählt seine eigene Geschichte. An der Badstraße 40 lebten und trafen sich jüdische Intellektuelle und Frauengruppen, die sich dort zum Austausch trafen. An der Prinzenallee 87 stand die Synagoge, die einst das religiöse Zentrum des Gesundbrunnens war.
Viele Spuren sind verblasst. Aber einige sind geblieben – und einige wurden neu belebt: etwa durch die Familie Wolffsohn mit der Gartenstadt Atlantic, die das Erbe pflegen und gleichzeitig Räume für Begegnung schaffen. Zwischen jüdischem und muslimischen Leben, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Geschichte und Zukunft. Ohne zeremonielle Performance, sondern ganz alltäglich im Austausch und in Zusammenkunft.
Für mich ist dieses Gedenken mehr als ein Ritual. Es ist Auftrag. Gerade hier, im Gesundbrunnen, wo Geschichte, Vielfalt und Zusammenhalt so eng miteinander verwoben sind. Hier zeigt sich, wie lebendig Erinnerung sein kann – wenn sie getragen wird von Menschen, die Brücken bauen.